Mondfinsternis 2018 fotografieren – Einstellungen, Tipps & Checkliste

Der Blutmond mit Sternenhimmel während einer totalen Mondfinsternis

Am 27.07.2018 kann in ganz Europa wieder eine totale Mondfinsternis beobachtet werden. Wer dieses besondere, astronomische Ereignis nutzen und einmal selber den Blutmond fotografieren möchte, muss dabei einige Herausforderungen meistern. Welche das sind und worauf zu achten ist, erklären wir in diesem Beitrag.

Was passiert eigentlich bei einer Mondfinsternis?

Bei einer Mondfinsternis befindet sich die Erde genau so zwischen Sonne und Mond, dass durch den Erdschatten nahezu kein Licht mehr auf den Mond fällt. Dass der Mond dennoch schwach rötlich leuchtet, liegt an der Lichtbrechung an der Erde. Man spricht wegen der Farbe auch von einem Blutmond.

Symbolhafte Darstellung einer Mondfinsternis
Bild: Vereinfachte Darstellung einer Mondfinsternis (nicht maßstabsgetreu)  © mondfotografie.de

Grober Zeitplan der Mondfinsternis am 27.07.2018

Die Mondfinsternis läuft in mehreren Phasen ab. Bereits um 19:14 Uhr tritt der Mond in den Halbschatten und um 20:25 Uhr in den Kernschatten der Erde ein. Zu dieser Zeit ist der Mond noch gar nicht aufgegangen (Mondaufgang ist um 21:02 Uhr) und kann daher nicht beobachtet werden. Ab ca. 21:31 Uhr wird es richtig interessant:

  • 19:14 Uhr: Eintritt in den Halbschatten der Erde (vor Mondaufgang!)
  • 20:25 Uhr: Eintritt in den Kernschatten der Erde (vor Mondaufgang!)
  • 21:02 Uhr: Mondaufgang. Der Mond befindet sich bereits im Kernschatten
  • 21:31 Uhr: Beginn der totalen Mondfinsternis (Totalität)
  • 22:22 Uhr: Maximale Verfinsterung
  • 23:14 Uhr: Ende der totalen Mondfinsternis (Totalität)
  • 00:20 Uhr: Austritt aus dem Kernschatten der Erde
  • 01:31 Uhr: Austritt aus dem Halbschatten der Erde

Besonderheiten beim Fotografieren einer Mondfinsternis

Auf unserer Homepage geben wir zahlreiche Tipps und Tricks für die Mondfotografie. Diese gelten im Wesentlichen auch für das Fotografieren einer Mondfinsternis, darüber hinaus gibt es aber noch einiges mehr zu beachten, insbesondere was die Wahl des Beobachtungsortes und die Kameraeinstellungen betrifft.

  • Die Wahl des Beobachtungsortes: Um die Mondfinsternis beobachten und fotografieren zu können, ist ein möglichst dunkler Beobachtungsort erforderlich. Ideal sind Orte fernab von Großstädten. Der Himmel über Großstädten ist zu hell, um den verfinsterten Mond zu beobachten. Da der Mond während der Totalität nur wenige Grad über dem Horizont stehen wird, muss die Sicht in Richtung Osten und Süden so frei wie möglich sein.
  • Das Setup: Während man einen normalen Vollmond problemlos auch aus der Hand fotografieren kann, ist bei einer Mondfinsternis ein stabiles Stativ unerlässlich, da mitunter Belichtungszeiten im Sekundenbereich erforderlich sind. Ein Kabelauslöser verhindert Vibrationen an Kamera und Stativ. Wenn keiner zur Hand ist, kann alternativ der Selbstauslöser verwendet werden. Bei Spiegelreflex-Kameras (DLSR) sollte zudem die Spiegelvorauslösung aktiviert werden.
  • Die Kameraeinstellungen: Welche exakten Belichtungszeiten und ISO zu wählen sind, kann am besten durch mehrere Probeaufnahmen herausgefunden werden. Während ein normaler Vollmond durchaus mit Blende 8, ISO 100 und 1/350s belichtet werden kann, wird der verfinsterte Mond erheblich dunkler und daher länger zu belichten sein.

    Als mögliche Ausgangseinstellungen zum Fotografieren des Blutmondes können Blende 5.6 und ISO 1600 bei 1/5 Sekunde probiert werden.

    Wird der Mond (viel) zu dunkel abgebildet, muss - wenn möglich - die Blendenzahl verringert oder die ISO erhöht werden. Auch eine Verlängerung der Belichtungszeit kann in Erwägung gezogen werden (aber Achtung! zu lange Belichtungszeiten führen aufgrund der Erdrotation zu Bewegungsunschärfen). Wird der Mond hingegen zu hell abgebildet, muss die ISO oder die Belichtungszeit verringert werden. Im Zweifel den Blutmond lieber etwas dunkler fotografieren und später am PC aufhellen.

Zu erwartende Probleme (und Lösungen)

Vermutlich wird das Fotografieren der Mondfinsternis, insbesondere für Einsteiger, nicht ohne Schwierigkeiten ablaufen. Hier eine Übersicht der wahrscheinlichsten Probleme und deren Lösung.

Problem Lösung
Der verfinsterte Mond kann nicht fokussiert werden Die Fokussierung sollte möglichst noch vor Beginn der Verfinsterung vorgenommen werden. In der Regel sollte der Autofokus gute Ergebnisse liefern. Nach erfolgreicher Fokussierung den Autofokus (AF) ausschalten und danach den Fokus nicht mehr verändern!
Das Bild ist zu dunkel
  • Blendenzahl verringern, je nach Objektiv 2.8 bis 5.6
  • Belichtungszeit verlängern (Achtung: Erdrotation und Mondbewegung!)
  • ISO-Zahl erhöhen (je höher die ISO-Zahl, desto mehr Rauschen)
Das Bild ist zu hell Wer der Belichtungsautomatik der Kamera vertraut, wird vermutlich ein zu helles Bild bekommen. Abhilfe schafft manuelle Belichtung, mögliche Werte sind weiter oben aufgeführt. Jegliche Belichtungsautomatiken sollten ausgeschaltet werden, auch die ISO-Automatik.
Das Bild ist sehr stark verrauscht Möglichst viele Aufnahmen (mind. 20, besser 50 oder gar 100) machen und später mittels "Stacking" das Rauschen eleminieren! Evtl. kann auch die ISO verringert und die Belichtungszeit erhöht werden (probieren!)
Das Bild ist unscharf
  • Fokussierung noch einmal überprüfen
  • Wenn der Fokus korrekt eingestellt und der AF deaktiviert wurde, ist die Belichtungszeit zu lang (Je nach Brennweite kann 1/10 Sekunde schon zu lang sein). Durch die Erdrotation "wandert" der Mond und "verschmiert". Abhilfe schafft eine kürzere Belichtungszeit (ISO entsprechend erhöhen)
  • Stabilen Stand des Stativs sicherstellen (auch Wind kann stören)
  • Kabelauslöser oder Selbstauslöser verwenden
  • Spiegelvorauslösung aktivieren
  • Das Seeing (Luftunruhe in der Atmosphäre) ist schlecht (der Mond "wabbert" im Liveview; üblicherweise nur bei sehr langen Brennweiten). Dagegen kann man leider nicht viel machen, außer evtl. die Brennweite verringern oder abwarten und auf eine Besserung des Seeings hoffen

Profi-Tipp für den 27.07.18

Aufgrund der zu erwartenden, großen Hitze am 27. Juli ist es ratsam, die Temperatur der Fotoausrüstung rechtzeitig an die der Aufnahmeumgebung anzugleichen. Während Astrofotografen ihre Geräte normalerweise vorher auskühlen, gilt es hier, die Geräte rechtzeitig aufzuwärmen. Das gilt insbesondere für alle, die ihre Fotoausrüstung im kühlen Keller aufbewahren. Ansonsten droht "Tubus-Seeing" bzw. "Objektiv-Seeing", also ein springendes und wabberndes Bild, das scharfe Mondfotos unmöglich macht. Ein weiterer Nachteil der warmen Klimabedingungen ist die hohe Sensortemperatur in der Kamera, die ein erhöhtes Rauschen zur Folge hat.

Tipps für Smartphone-Fotografen

Wer versuchen möchte, die Mondfinsternis mit den Smartphone zu fotografieren, hat leider nicht allzu gute Karten. Um dennoch etwas auf den Chip zu brennen, kann folgendes versucht werden: Nachtmodus aktivieren, manuelle Belichtung bzw. mittenbetonte Messung auf den Mond und möglichst nah heranzommen.

Das Smartphone sollte stabil angelehnt werden, z.B. an einer Wand, einem Tisch- oder Stuhlbein. Dabei muss natürlich die Sicht zum Mond gegeben sein. Statt Fotos wird nun ein Video gemacht. Egal, wie stark es rauscht, einfach mal 1 bis 2 Minuten auf den Mond halten.

Das so gewonnene Video kann nachträglich am PC zum Stacken verwendet werden, sodass zumindest ein halbwegs brauchbares Ergebnis erzielt werden kann. An Bilder von "Hubble" & Co. wird man mit dem Handy allerdings nicht herankommen ;o)

Checkliste

Damit im Eifer des Gefechts nichts vergessen wird, hier eine kurze Checkliste (ohne Gewähr für Vollständigkeit):

  • Beobachtungsort geeignet? (klarer Himmel, freie Sicht, dunkel, windstill..)
  • Kamera-Bedienung weitgehend klar? (wie stelle ich Blende, Zeit und ISO ein)
  • Blitz und jegliche Blitzautomatiken ausgeschaltet?
  • Belichtungsautomatik (auch für ISO) ausgeschaltet?
  • Spiegelvorauslösung aktiviert? (bei DSLR)
  • Linse und Sensor sauber?
  • Akku geladen / Ersatzakku dabei?
  • Speicherkarte groß genug / Ersatz-Speicherkarte dabei?
  • Kabelauslöser funktionstüchtig und dabei?
  • Taschenlampe geladen und dabei?

Super, dann kann es ja losgehen! :-)

Ein Tipp zum Schluss..

Wenn das Vorhaben nicht gelingt, einfach die Mondfinsternis mit dem bloßem Auge genießen! Die nächste Mondfinsternis kommt bereits im Januar 2019, und bis dahin ist Zeit genug für ein "Upgrade" der eigenen, fotografischen Fähigkeiten oder der Ausrüstung ;o)

Du möchtest mehr über den Mond, seine Krater und Formationen erfahren? Dann empfehlen wir dir den Reiseatlas Mond

Hinweis zu Amazon Affiliate
Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen.

Artikel bewerten:
Hinweise zum Datenschutz

169 Bewertungen (Ø 4.8 von 5.0)

Artikel weiterempfehlen:
Share
Tweet
+1

11 Kommentare
Arti am 27.07.18 um 15:46 Uhr
Hallo! Vielen Dank für die schnelle Antwort und viel Erfolg beim Fotografieren des Mondes heute Abend LG
Arti am 27.07.18 um 07:52 Uhr
Hei! Vielen Dank. Ich habe eine Lumix G81 und würde sehr gerne den Mond fotografieren. In einem anderen Tutorial hier las ich, dass ein Objektiv 70-300 benötigt wird, damit der Mond scharf abgelichtet werden kann. Auf die Krater lege ich nicht so großen Wert. Ich möchte, dass der Mond klar und deutlich (ohne Schleier) im Hintergrund am Himmel steht und vom Vordergrund auch noch etwas zu erkennen ist. Welches Objektiv für meine Kamera brauche ich? Ich möchte ungern einen Adapter verwenden. Und meine zweite Frage: Welches Objektiv wird für den Blutmond verwendet? Vielen Dank! Sehr schöne Seite! LG Arti
Antwort von mondfotografie.de:
Im Prinzip ist jedes Objektiv geeignet. Es kommt drauf, an wieviel Vordergrund und wieviel Mond du auf dem Bild haben willst, danach wählst du die Brennweite. Je länger die Brennweite, desto mehr Details werden sichtbar.
Frank am 26.07.18 um 23:34 Uhr
Vielen Dank für diese detaillierte Anleitung. Das ist das mit Abstand beste Tutorial, das ich zur MoFi gefunden habe. Man merkt sofort, dass hier ein leidenschaftlicher Fotograf mit entsprechenden Fachkenntnissen schreibt. Weiter so! LG, Frank
Percy am 22.07.18 um 07:15 Uhr
Ich freue mich schon auf die kommende M-.finsternis, wenn das Wetter mitspielt. Trotzdem DANKE für die Infos.
Julian am 01.10.15 um 16:56 Uhr
Ich finde diese Seite und das Prinzip der einfachen Ausrüstung echt gut, auch wenn es mir persönlich nicht arg viel geholfen hat. Was mich aber sehr interssieren würde, wären Tipps zur Mondfotografie MIT Teleskop! Insofern wäre ich sehr dankbar, wenn ihr diese Seite um einen Bericht darüber ergänzen könntet. Vielen Dank aber auch jetzt schon dafür, dass ihr ohne Eigennutzen so eine schöne Seite aufgebait habt, die vielen Menschen weiterhilft! Gruß, Julian
HorstUwe am 28.09.15 um 06:22 Uhr
Hallo, gute Anleitung für ein schnelleres Einlesen in die Fotografie der totalen Mondfinsternis. Leider haben heute bei dem Supermond + Blutmond Belichtungszeiten im Rahmen von 200ms bei weitem nicht ausgereicht (70-210mm Objektiv genutzt, 5,6er Blende). Vllt. ist das Objektiv einfach auch mega lichtschwach, ist noch von einer sehr alten analogen Nikon und habe ich jetzt auf der D70s verwendet..glaube erstmaliges Baujahr des Objektives war ab 1988 wie ich grad nach Recherche sehe..oh mein Gott, wird mal Zeit für ein neues ;-) Jedenfalls musste ich bis auf 1-2" sec. hochschrauben, was natürlich nicht ganz so "crispy" Fotos ergab, bedingt durch die Mondgeschwindigkeit Der normale Vollmond ist ja kein Problem bei der Lichtmenge, aber hier wurde es mit meiner Ausstattung schwierig.
Pascal am 27.09.15 um 22:23 Uhr
Bin seid 3 Wochen mit meiner 700d 18-55 Kit Unterwegs. Werde ich was reißen können optisch mit meinem Objektiv? Das ich mehr Landschaft brauche kann ich mir denken. Danke im Voraus! Lg Pascal
Antwort von mondfotografie.de:
Detailtechnisch wohl eher nicht, aber eine schöne Landschaft mit Mond bietet sich bei der Brennweite geradezu an. Viel Erfolg!
Eva am 27.09.15 um 22:06 Uhr
Als Greenhorn mit meiner neuen Canon will ich's mal genau wissen. Ihre Anleitung "Mondfotografie" ist super. Hoffentlich werden meine Aufnahmen auch so!Danke Eva
Michael am 27.09.15 um 21:04 Uhr
Hallo, super sache hier. Will die Nacht das mal ausprobieren und habe mit etwas Glück sogar noch einen Kirchturm als Himmelsfüller. Beim Richten der Kamera fiel mir ein: WIe sieht das mit dem Weissabgleich am Nachthimmel aus? Automatik, von Hand oder gibt's das Kelvinzahlen als Anhalt. Viel Freude die Nacht Michael
Antwort von mondfotografie.de:
Weißabgleich am besten manuell setzen, vor allem bei Zeitraffer und Belichtungsreihen. Ich nehme meist so um die 4000K, ist aber Geschmacksache. Viel Erfolg!
Sebastian am 27.09.15 um 13:57 Uhr
Hey, tolle Seite, bin wegen der MoFi zufällig hier gelandet. Danke für die Anleitung und die tollen Tipps. Vor allem der Tipp zum Schluss spricht mir aus der Seele! Den sehr seltenen Moment genießen und als Bonus die Fotos. Diese stehen tausendfach und jahrelang im Internet...
gregor am 25.09.15 um 21:19 Uhr
Tolle Seite, herzlichen Dank für so viel genaue und weitsichtige Infos! Ich versuch mein bestes am 28.09. Gruss Gregor

Kommentar schreiben

Hinweise zum Datenschutz